MORBUS HELVETICUS

Cantonale Berne Jura
Group show
Kunsthalle, Bern
14.12.2025-8.2.2026

Curated: iLiana Fokianaki, Claudia Heim
With: Tania Al Farouki, Nasrin Amiri Ramsheh, Livio Casanova, Chun Chen, Carla Blanca Corminboeuf, Rhoda Davids Abel, Beth Dillon, Garance Finger, Christina Gähler, Guadalupe Ruiz, Margaux Huber, Anna Jaun, Lorena Lira, cassiane c. pfund, Andrea Cindy Raemy, Michal Florence Schorro, Anouk Sebald, Ruven Joas Stettler
Text: Kunsthalle Bern
Photos: David Aebi for Kunsthalle
Design: Studio RM, Reto Moser und B & R Visuelle Kommunikation for Cantonale


Herzrasen, Atemnot, Appetitverlust, Schwäche und geistige Verwirrung: So beschrieben Schweizer Ärzte im 17. Jahrhundert jene rätselhafte Erkrankung, von der vor allem Söldner fern der Heimat betroffen waren. Morbus Helveticus – die Schweizerkrankheit. Eine medizinische Diagnose für ein Gefühl, das hier erstmals einen Namen erhielt: Heimweh.

Heute gilt Heimweh nicht mehr als Krankheit, doch der Begriff bleibt prägend. Er bezeichnet das schmerzliche Vermissen eines Ortes und verweist zugleich darauf, dass Heimat selbst zum Ort des Unbehagens werden kann, dass man dort krank werden kann, wo man vermeintlich hingehört. «Heimat» war lange völkisch-national besetzt, verknüpft mit Landschaft, Nation und Reinheit und gestützt durch Abgrenzung. Dennoch umfasst der Begriff Erfahrungen, die weit über dieses enge Verständnis hinausreichen.

Heimat kann in einer Landschaft wurzeln, in einem Berg, einem Haus, einem Geruch, in topografischer Vertrautheit, die prägt. Sie entsteht ebenso in Beziehungen: in Sprache, Fürsorge, geteilten Erinnerungen und dem Gefühl, gesehen zu werden. Und manchmal beginnt oder endet sie im Körper selbst: in Momenten, in denen er ein zuhause ist, oder in Zeiten, in denen Krankheit, Migration, Wandel oder geschlechtliche Normen ihn zu einem Ort der Fremdheit machen. Körper können Schutzräume sein oder Orte des Verlusts; sie speichern Geschichte, Verletzung und Widerstand.

Heimat kann verloren gehen, sich verschieben, zerbrechen oder neu entstehen. Man kann ankommen und dennoch fremd bleiben, weggehen und dennoch verbunden sein.

Die Künstler:innen dieser Ausstellung erkunden diese fragile, ambivalente Zone. Mit Empathie, Schärfe und formaler Präzision zeigen sie, wie Zugehörigkeit entsteht, wie sie brüchig wird und welche neuen Heimaten in Erinnerung, Material und Ritual sichtbar werden können.



List of works:
How to become a grotesque
Roof Piece



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